Hospitationseinblicke mit der Serviceagentur: Zu Gast an der Richtsbergschule Marburg

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In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Richtsbergschule im hessischen Marburg deutschlandweit als eine Vorreiterschule im Bereich der kulturbezogenen Schulentwicklung etabliert, die inzwischen auch weitere mutige Schritte in ihrer Schul- und Unterrichtsentwicklung geht. Verschiedene Schulen aus dem Schulnetzwerk der Serviceagentur Ganztägig lernen M-V nutzen die Offenheit der Richtsbergschule für eigene Hospitationseinblicke.

Von der Brennpunkt- zur Musterschule

In einem sozial herausgeforderten Stadtteil gelegen, dem Marburger Richtsbergviertel, sehen sich die Familien der Schülerinnen und Schüler verschiedenen sozialen Schwierigkeiten ausgesetzt. Die Schule leistet mit ihrer stärken- und teilhabeorientierten Arbeit einen besonderen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung und zum Lernerfolg unter schwierigen Bedingungen. Die Elternschaft in der Universitätsstadt Marburg erkennt zunehmend die engagierten Ansätze der Richtsbergschule, sodass die Schülerzahlen ebenso wie die Bewerberzahlen für ausgeschriebene Stellen konstant hoch sind.

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Hospitationsbesuch aus Mecklenburg-Vorpommern

Eine Gruppe von 13 Lehrkräften aus Mecklenburg-Vorpommern, begleitet vom Kulturteam der Serviceagentur Ganztägig lernen M-V, reiste vom 19.-21.01.2026 an die Richtsbergschule Marburg, um bei einer Hospitation und in Gesprächen mit Schulleitung, Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern selbst zu erleben, wie diese Schule den Schulalltag gestaltet und das Lehren und Lernen umsetzt.

Individualisiertes Arbeiten mit dem "PerLenWerk"

Begrüßt vom Schulleitungsteam erfolgte zunächst eine Einführung in das besondere Schulkonzept, dem Perlenwerk, der personalisierten Lernumgebung mit Werkstätten. Bei einer Schulführung durch die Schüler selbst konnte die Delegation die dafür notwendigen architektonischen Besonderheiten besichtigen.

Die Räume der ehemaligen Flurschule wurden in Lernlandschaften, die wie Großraumbüros anmuten, umgebaut. Jedes Kind hat hier seinen eigenen individuellen Arbeitsplatz. Es ist still im Raum, eine Lehrperson ist an einem eigenen Schreibtisch in der Raummitte jederzeit ansprechbar. Angrenzend liegt ein weiterer Raum, der verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit ermöglicht. Auch hier erinnert die Ruhe nahezu an einen Lesesaal in einer Bibliothek.

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Lernen im Perlenwerk legt die Schwerpunkte auf Individualität, Verantwortung und Teamgeist. Das Konzept sieht vor, dass die Schüler ihren Lernweg stärkenorientiert und selbstverantwortet anhand ihres individuellen Wochenplans gestalten und diesen regelmäßig zusammen mit ihrer Lehrkraft (die hier Lerncoach heißt) reflektieren und anpassen. Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo, mit frei gewählten Lernpartnern und entscheidet selbst, wann es sich zu einer Leistungsüberprüfung innerhalb des Lernpfades anmeldet und den Lernbaustein beendet. Auf diese Weise übernehmen die jungen Menschen selbst die Verantwortung für das eigene Lernen. 

"Kulturschule" als Entwicklungsinstrument

Die Richtsbergschule ist eine ausgewiesene KulturSchule, dies bedeutet, sie bietet den Kindern mit kreativ-ästhetischen Methoden in allen Fächern die Möglichkeit, Lerninhalte handlungsorientiert, kreativ und praktisch zu erforschen und so viel tiefer zu verstehen. 

Außerdem arbeitet sie als Profilschule Kultur mit vielen Künstlern und Kultureinrichtungen der Stadt Marburg eng zusammen. Jedes Kind kann in der "Lernzeit Kultur" die für sich passende Kunstrichtung entdecken und sich in dieser ausprobieren und vertiefen. Gemäß dem Motto „Jedem Kind seine Kunst“ durchläuft jeder Schüler turnusmäßig im Rahmen seiner Schulzeit einmal jede Kunstsparte, kann sich aber auch in eine Kunstform besonders vertiefen und so z.B. innerhalb der Schule ein Instrument lernen, sich im MakerSpace ausprobieren oder Theater spielen.

Als Ganztagsschule ist der Schulalltag so rhythmisiert, dass während des langen Mittagsbandes auch Zeit für Kunst und Kultur besteht und es trägt dem Lernrhythmus der Schüler von Anspannung und Entspannung Rechnung.

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Der Schlüssel für das Konzept liegt darin, dass die Schüler Verantwortung für ihren eigenen Lernweg übernehmen. Dafür ist es allerdings notwendig, dass die Lehrkräfte ihnen genau das auch zutrauen, Verantwortung an sie abgeben und eine gute Beziehung zu den Kindern pflegen.

Die gelassene Atmosphäre und die Zufriedenheit der agierenden Menschen (Schüler und Lehrkräfte) sind augenfällig. Sie legen - zusammen mit dem überdurchschnittlich guten Abschneiden der Abschlussklassen - den Schluss nahe, dass dieser eingeschlagene Weg des individualisierten Lernens und der vielseitigen, ästhetisch unterlegten Persönlichkeitsbildung nachahmenswert ist.

Künftige weitere Kooperationen zwischen MV und Hessen

Im Nachgang dieses von der Serviceagentur organisierten Hospitationsbesuchs gibt es weitere bilaterale Kooperationen zwischen der Richtsbergschule und Schulen aus Mecklenburg-Vorpommern. Beispielsweise führt eine Delegation aus dem Leitungsteam der Regionalen Schule "Ernst-Moritz-Arndt" aus Greifswald eine eigene weitere Hospitation in Marburg durch. Darüber hinaus sind Mitarbeitende der Marburger Schule zu Gast bei schulinternen Fortbildungen in M-V im Schuljahr 2026/2027.